Adobe CS5 für Grafik und Print | Erster Eindruck

Nachdem Adobe die neueste Version seiner Creative Suite vorgestellt hat, stellt sich die Frage in wie weit die aktuelle Version CS5 für Grafiker und Print-Fachleute interessant ist.
Vor allem die Pakete, die Illustrator, Photoshop und InDesign enthalten, werden für den Grafikdesigner  und Printfachmann von höchstem Interesse sein.

Ich habe mir aus den etwas dürftigen und unübersichtlichen Informationen zum Release der CS5 auf der Adobe-Seite und auf externen Seiten ein Bild gemacht, so dass ich hier eine erste Einschätzung geben kann.

Adobe Photoshop CS5

Die größte Änderung betrifft nur den Mac. Photoshop ist auf Mac OSX endlich auch 64 bit-fähig; das wurde auch Zeit. Adobes Erklärung dazu, warum die 64bit Umsetzung auf der Apple-Plattform eine ganze Version länger dauerte, als für Windows ist, dass dazu große Teile des Codes neu geschrieben werden mussten, da Photoshop auf dem Mac wesentlich älter sei als Photoshop für Windows.

Das mag sein, jedoch wurde den Mac-Anwendern bereits für die CS3 und die CS4 ein neuer moderner Code versprochen. Es ist zu hoffen, dass im Zuge der Neuprogrammierung die zahlreichen Inkompatibilitäten ebenfalls gleich mit beseitigt wurden. Hoffen wir also auf funktionierende Kurzbefehle unter Mac OS X. Darüber hinaus verspricht Adobe schnellere Bearbeitungszeiten bei sehr großen Dateien. Lassen wir uns überraschen.

Content Aware Technology

Eine weitere Neuerung die sowohl Windows als auch Mac OS X betrifft ist die „Content Aware Technology”. Darunter fallen alle neuen oder aktualisierten Werkzeuge, die den Inhalt eines Bildes berücksichtigen. Das bedeutet, dass Photoshop jetzt Motive erkennen kann und zum Beispiel beim Freistellen von Objekten selbst erkennt wo die Grenze zwischen Motiv und Hintergrund verlaufen muss.

Dabei unterstützt  der Photoshop den Freistellen-Prozess durch das selbstständige Anlegen qualitativ hochwertiger Masken. Damit nicht genug, Photoshop kann beim Löschen eines Motivs den fehlenden Hintergrund automatisch ergänzen. Das funktioniert augenscheinlich sogar dann, wenn der Hintergrund einen komplexen Aufbau besitzt.

Zum Beispiel wenn sich hinter einer Person ein Platz mit Gebäuden befindet, wird dieser Platz und das Gebäude wieder hergestellt, nachdem die Person aus dem Bild entfernt wurde.
Das sieht in der Demovideos recht beeindruckend aus. Für Quick’n’dirty ist diese Funktion sicher gut brauchbar. Ob sie echte Bildbearbeitung ersetzen kann wage ich zu bezweifeln. Die Freisteller sahen schon im Demovideo alles andere als wirklich sauber aus.

Eine weitere auf der automatischen Motiverkennung basierende Technologie sind die Constraints. Kurz gesagt handelt es sich dabei um geschützte Bereiche, die man im Bild angibt, die verhindern, dass Photoshop über diese Bereiche hinweg Motive angleicht, oder ergänzt. Gut für den Fall, dass die „Content Aware” Technologie doch nicht so funktioniert, wie erwartet.

Photoshop lernt von Painter

Neu sind auch Pinsel, die jetzt zum ersten Mal so funktionieren, wie man Pinsel kennt: mit mehreren Farben und unregelmäßiger im Auftrag – also im Prinzip so wie sie bei Painter seit Jahren funktionieren.

Aus Adobe After Effects entlehnt ist das „Puppet Warp”-Werkzeug. Damit ist es möglich einem freigestellten Motiv, z.B. einer Person, Gelenke zuzuweisen und die Pose neu zu definieren.
Das funktioniert im Video einigermaßen, weil man nicht so genau hinsieht.  

Für den Printbereich habe ich Bedenken, dass das ohne tiefgreifende Nachbearbeitung befriedigende Ergebnisse liefern kann. Da stellt sich die Frage, ob dieses Werkzeug wirklich eine Arbeitserleichterung darstellt oder ob man nur weniger zu transformieren aber dafür mehr zu retuschieren hat.

Adobe InDesign CS5

Adobe InDesign CS5 bietet für den Grafiker oder Printfachmann eigentlich nur eine auffällige neue Funktion, nämlich die Unterstützung unterschiedlicher Seitenformate. Der größte Teil der Neuerungen betrifft ein vollkommen neues Modul. Adobe InDesign CS5 kann interaktive Webinhalte erzeugen und direkt als Flash ausgeben, ohne dass der Anwender dazu programmieren muss. Damit beschreitet Adobe mit seinem Layout-Programm die gleichen Wege wie Quark mit QuarkXPress 8.

Adobe Illustrator CS5

In Illustrator wurden die Zeichenflächen verbessert. Illustrator unterstützt nicht nur mehr Zeichenflächen, sondern sie können jetzt auch benannt und effizienter verwaltet werden. Pinselkonturen können jetzt auch nachträglich dynamisch in der Breite verändert werden. Gestrichelte Linien können jetzt so ausgerichtet werden, dass in den Ecken saubere Lösungen entstehen.

Neu ist ein Pixelraster, dass es erlaubt, dass die Vektorelemente exakt auf die pixelbasierte Ausgabe z.B. für Webseiten passen. In den vorherigen Versionen war das eher ein Glücksspiel und es kam häufig zu Anti-Aliaskanten, die die Grafik unscharf wirken ließen.

Die neuen Malpinsel von Photoshop funktionieren jetzt auch in In Illustrator.
Ganz neu und dennoch altbekannt ist das Perspektive-Werkzeug in Illustrator. Das ist ein Werkzeug aus Freehand, das nun endlich Einzug in Illustrator hält.
Perspektivische Gitter erlauben es direkt perspektivisch korrekt in 3D zu zeichnen. Praktisch, aber im Zeitalter einfacher 3D-Programme nicht mehr unbedingt lebensnotwendig.
Zum Schluss noch eine Workflow-Optimierung. Komplexere Grafiken können ohne die Ebenenstruktur zu beachten erstellt werden.

Die weiteren CS5 Neuerungen betreffen die Creative Suite allgemein

CS Review ist ein neuer Zugang zu einer Online-Community mit der man Entwürfe diskutieren kann. Catalyst ist ein einfacherer Zugang zu Flash, der es ermöglicht komplexe Grafiken und Animationen einfacher in Flash auszugeben.

Adobe CS4.2

Fazit: einige interessante neue Technologien, die aber auf sehr viele Werkzeuge verteilt wurden, teils Aufbereitung alter Technologien, die sich bereits seit der Übernahme von Macromedia im Haus befanden und einige wenige Workflowoptimierungen.

Interessant wird besonders in wie weit sich die Neuprogrammierung des Photoshop unter MacOS X auswirkt. Vor allem wie stabil das Programm derzeit ist. Aus der Erfahrung mit den letzten Releases ist dahingehend Skepsis angebracht.
Der richtig große Wurf scheint die CS5 für den Grafiker nicht zu sein. Die neuen Funktionen sind eher ein „nice-to-have” als ein „must-have”. Für die Alltagsproduktion eher unbedeutend.
Vieles hätte man früher im Rahmen regelmäßiger kostenloser Updates umgesetzt. Daher erscheint mir die ganze Versionsnummer übertrieben. CS4.2 hätte auch gereicht.

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